Gyula Harangozó
Seit 1. September 2005 ist Gyula Harangozó Ballettdirektor des Balletts der Wiener Staatsoper und Volksoper und Künstlerischer Leiter der Ballettschule der Wiener Staatsoper.
Gyula Harangozó, am 4. Mai 1956 in Budapest geboren, stammt aus einer ungarischen Tänzerfamilie. Sein Vater Gyula Harangozó sen. (1908–1974) war Choreograph und Ballettdirektor, seine Mutter Irén Hamala Ballettmeisterin. Seit 1984 ist Gyula Harangozó österreichischer Staatsbürger.
Seine Ausbildung zum Tänzer erhielt Gyula Harangozó von 1966 bis 1974 am Staatlichen Ballettinstitut in Budapest und von 1974 bis 1976 am Moskauer Akademischen Choreographischen Institut.
Von 1976 bis 1983 war er Mitglied des Balletts der Ungarischen Staatsoper in Budapest, seit 1978 als Solotänzer. Zu den brillantesten Tänzern seiner Generation zählend, wurde er 1977 beim Internationalen Ballettwettbewerb in Moskau mit dem Preis der Moskauer Akademischen Choreographischen Schule, 1978 beim World Ballet Concours in Tokio mit der Goldmedaille und dem Preis für den Besten Tänzer ausgezeichnet. Von 1981 bis 1986 trat er als Solotänzer, danach bis 1988 als Gastsolist im Ballett der Bayerischen Staatsoper auf. Gastspiele absolvierte er beim Bolschoi Ballett in Moskau und American Ballet Theatre in New York, weiters in London, Paris, Mailand, Berlin, Tokio, Mexico City und in Südamerika.
Anläßlich eines Gastspiels des Balletts der Ungarischen Staatsoper in der Volksoper tanzte Gyula Harangozó am 22. Juni 1979 erstmals in Wien. Am 17. März 1982 erfolgte sein Debüt an der Wiener Staatsoper als Prinz Florimund in Rudolf Nurejews „Donröschen“. Am 1. September 1982 wurde er als Gastsolist an das Wiener Staatsopernballett engagiert, von 1985 bis 1991 war er als 1. Solotänzer verpflichtet. Er tanzte in dieser Zeit Hauptrollen in den Wiener Premieren von Rudolf Nurejews „Raymonda“ und Frederick Ashtons „La Fille mal gardée“, weiters zählten Herzog Albrecht in Alicia Alonsos „Giselle“, Basil in Nurejews „Don Quixote“, Prinz Siegfried in Nurejews „Schwanensee“, Blauer Vogel in Nurejews „Dornröschen“, Prinz Nußknacker in Juri Grigorowitschs „Der Nußknacker“, Romeo in John Crankos „Romeo und Julia“, Aminta in László Seregis „Sylvia“ sowie Hauptpartien in Balletten von George Balanchine („Symphonie in C“), Gerald Arpino („Kettentanz“), Jochen Ulrich „Tantz-Schul“), Jiří Kylián („Sinfonie in D“, „Dream Dances“) und Bernd R. Bienert („Der Idiot“) zu seinem Wiener Repertoire.
Nach erfolgreicher Tätigkeit im Ballett-Management wurde Gyula Harangozó 1996 als Ballettdirektor an die Ungarische Staatsoper berufen. Er übernahm damit die Leitung einer der führenden Kompanien der internationalen Ballettszene und vermochte ihren hervorragenden Ruf durch Pflege des bestehenden Repertoires sowie durch Übernahmen von Werken der internationalen Choreographen-Elite noch zu steigern. Das Programmangebot seiner Ära reicht von Einstudierungen von Klassikern des 19. Jahrhunderts über Ballette ungarischer Choreographen wie Gyula Harangozó sen. und László Seregi bis zu Werken von George Balanchine, Frederick Ashton, Rostislaw Sacharow, John Cranko, Kenneth MacMillan, Hans van Manen, Jiří Kylián, William Forsythe und Renato Zanella. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Ballette der jüngeren Generation ungarischer Choreographen. Eine Reihe von repräsentativen Auslandsgastspielen bestätigte das hohe Ansehen des Ensembles. Ihr Österreich-Debüt unter der Direktion von Gyula Harangozó gab diese Kompanie im Oktober 2004 im Festspielhaus St. Pölten.
Nach Inszenierungen von „Don Quixote“ und „Schwanensee“ stellte Gyula Harangozó im November 2004 in Budapest mit „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ seine erste eigene Choreographie vor.
Seit 1977 ist Gyula Harangozó mit der Tänzerin Irina Lebedjewa verheiratet, sein Sohn Gyula wurde 1978 geboren.